Ich dachte, ich tue mal wieder was für euch - schließlich habe ich Ferien und -abgesehen von einem großen Stapel Fehten und zwei großen Stapeln Tests- Zeit...
Aus ACTIVE Nr.8 Sommer 2007 von B. Carlsson
Ich habe keine Ahnung, wie man einen Hit schreibt!Der Sommer ist gerettet. Per Gessle ist zurück, mit neuem Album und Sommertournee. Ich weiß seit längerem, dass P.G. ein Nostalgiker ohne seines Gleichen ist und so achtsam mit dem, der ihn interviewt, dass man sich fühlt wie der König selbst.
Ich erinnere mich daran, als Återtåget mit Gyllene Tider 1996 nach Växjö kam. Ich kam von der Radiostation Hit FM und wartete nett, sodass die Zeitungsjournalisten ihre Fragen zuerst stellen konnten.
...
Die Zeit für die Fragen der Journalisten war nach einer weile vorbei. Und ich, dachte ich? Der Presseverantwortliche wies alle Journalisten ab. Zurück blieben ich und Gessle.
-Die Zeit ist um, schrie der Presseverantwortliche.
-Wer bestimmt hier?, sagte Gessle. (Stille)
-Das mache ich, sagte P.G. Dann gingen wir in ein Abteil und machten das Interview.
Jetzt sitzen wir hier, 11 Jahre später an einem Junitag 2007 und reden. Wir lächeln über die Erinnerungen und dann kommt Gyllene Tiders früherer Tontechniker. Er arbeitet heute bei der Plattengesellschaft EMI und kommt mit ein paar Platten zu Gessle u.a. von Cher und Bobby Goldsborough.
-Wenn ich bei der Platenfirma bin, kommen sie immer mit einer Menge CDs, sagt Gessle.
Lieblingslied unter der heutigen Hitlistenmusik?
-Ich muss fast eine Hitliste vor mir haben, aber Grace Kelly mit Mika ist gut. Ich habe Travis letzte gekauft und warte auf Nick Lowes neue, aber wenn ich richtig ehrlich sein soll, dann habe ich das Radio während der letzten Monate vermieden, weil es so viel Melodiefestival gab, also bin ich dem aus dem Weg gegangen und habe P4 und Oldies Sender gehört.
Aber du hast ja selbst einen Schlager-Klassiker „Kärleken är evig“ geschrieben, mit dem Lena Ph 1986 auf den 2. Platz kam.
-Aber der war gut! (Lachen)
Hast du für weitere Künstler geschrieben?
-Als ich jung war, während der Gyllene Tider-Epoche, spritzten die Lieder nur so raus. Da waren immer welche übrig. Sha-boom, Belinda Carlisle, Laura Branigan u.a. nahmen meine Lieder auf.
Wie wichtig ist dein Schaffen? Du bist ja reich wie ein Troll. (
Ich nehme diese Redewendung einfach mal in den deutschen Sprachgebrauch auf – 1. weil sie mir gefällt, 2. weil mir keine vernünftige Übersetzung einfällt – oder wie wäre es mit „reich wie ein Stein“?! ;-) )
-Das ist so lächerlich, dass die Leute glauben, ich müsste zufrieden sein, nur weil ich reich bin.
Gerade so, als hätte ich das Ziel gehabt, so reich zu werden, um keine Musik mehr machen zu müssen. Ich werde traurig, wenn die Leute das denken. Ich liebe es, Musik zu machen. Das ökonomische ist eine Bonusbelohnung. Warum spielen die Rolling Stones immer noch?
Aber sicher ist es ganz okay, einen Hit zu haben?
Sicher, ein Hit ist das Beste, was es gibt. Neuerdings suche ich keine Lieder mehr, sondern die Lieder suchen mich auf. Wenn ich kein Projekt am Laufen habe, schreibe ich keine Lieder. In den letzten Jahren habe ich versucht, ein Paket mit Liedern zu schaffen, die die gleiche Sprache sprechen. Das Mazarin-Album gab ich meiner Plattenfirma und sie wählten „HKAK“ als erste Single.
Wenn du das vergleichst mit der Roxette-Zeit zu Beginn der 90er Jahre, da hatten wir Forderungen von z.B. Deutschland, Südamerika und England. Alle wollten Hitsingles. Ein Album wie CBB! Herauszugeben bedeutete, dass man drei Hitsingles haben musste. Als wir die Platte der Plattenfirma vorspielten, fehlte die selbstverständliche Hitsingle. Da wurde ich stocksauer, ging nach Hause und schrieb „SIMC“.
Du bist eine Hitmaschine, die 30 Jahre lang Hits ausgespuckt hat... Ist es leicht Hits zu schreiben?
-Nein, das ist das Schwerste, was es gibt, ich habe keine Ahnung, wie das geht. Das, was jetzt ein Hit ist, ist morgen kein selbstverständlicher Hit mehr. Man sollte in meinem Alter wohl nicht mehr versuchen, Hits zu schreiben. Wenn man heute Hits schreiben will, sollte man so um die 20 sein, sagt P.G., der 48 ist.
Wann warst du als Songschreiber am besten, meist du selbst?
-Als ich jung war und nicht richtig wusste, was ich tat. Wie damals, als Mats „MP“ Persson von GT „“Kom så ska vi) Leva Livet” und ”Dansa inte lika bra som sjömän” schrieben. Da hatten wir keine Ahnung, was wir gerade taten. Damals war ich am besten, das, was ich jetzt mache ich auch gut, dagegen merkt man ja, dass es von einem Mann geschrieben wurde, bei dem eine Menge Wasser unter den Brücken hindurchgeflossen ist. Ich habe nie eine Krise gefühlt, sondern es ist 30 Jahre lang recht gleichmäßig gelaufen.
Das beste Lied, dass du geschrieben hast?
-Ja, zum Teufel.... „TL“ war unglaublich gut und „TONDTPM“.
Was fühlst du, wenn du „Sommartider“ hörst?
-Das habe ich gründlich satt, aber es ist lustig zu spielen. Rein songwritermäßig ist das platt. Wenn die Leute Akkorde aus meinen Liedern aufgreifen, entdecken sie, wie schwierig die Lieder sind. Das ist ein sehr gutes Urteil. Es klingt einfach, ist aber schwierig.
Welches Lied hast du völlig falsch eingeschätzt, das ein Hit wurde, von dem du das nie geglaubt hättest?
-Die meisten, von denen ich das glaubte, sind Hits geworden. Bei „HKAK“ begreife ich dagegen nicht, dass es ein Hit wurde. Das hat mich in Erstaunen versetzt. Wir legten es als Bagatelle-Lied als Spur 11 auf die Mazarin-Platte. Mein Produzent Clarence Öfverman sagte: „Es wird lustig sein, zu sehen, welches Lied sie als Single wählen, Hauptsache, sie nehmen nicht ... „HKAK“ (Lachen)
Wie kommst du auf alle Namen für deine Projekte?
Gyllene Tider:
-Ich und MP hatten ein Instrumentallied, das wir GT nannten. In der Zeit, 1977, hatten wir alle möglichen Namen, Mats Olsson von Expressen schreib einige Artikel über uns und unsere Musikdemos. Er nannte die Musik „Goldene Zeiten für den schwedischen Pop“, „Goldene Zeiten für die Musik“ und wir schrieben sicherlich, dass wir GT hießen, aber waren so unsicher und wagten es nicht, zuzugeben, dass wir keinen guten Namen hatten. Aber nachdem Expressen uns GT genannt hatte, konnten wir das nicht mehr ändern.
Roxette:
Roxette ist von einem Dr.Feelgood-Song, der Roxette hieß. Zu Beginn glaubten alle, dass Marie Fredriksson Roxette hieß und das ich ihr Manager war. (Lachen )...
Manchmal kamen wir zu einer TV-Aufnahme und sie hatte eine Garderobe, aber ich bekam keine...
Gibt es eine Wiedervereinigung von Roxette?
-glaube nicht, dass Marie scharf darauf ist oder das packen würde.
Das bedeutet viel reisen und Arbeit, aber wir werden sehen, es bleibt ihr überlassen.
Glaube, dass du auch so gut beschäftigt bist, es wurde schon eine Autobiografie geschrieben?
-Der Journalist Sven Lindström hat geschrieben. Er hat Zugang zu meinem Kalender gehabt und ist mir als Person sehr nahe gekommen. Er war seit 2003 damit beschäftigt und das Buch kommt im Oktober.
Gibt es viele Enthüllungen über P.G.?
-Ja, die gibt es, aber das Buch ist für uns Freaks da. (Lachen)
Bist du ein geschickter Mann?
-Ich bin total ungeschickt, kann keine Reifen wechseln, tapetsieren oder irgendwas Anderes. Meinen i-Pod laden, da geht die Grenze. Gestern ist es mir gelungen, in meinem Handy den falschen PUK-Code einzugeben, sodass es gesperrt wurde.
Ich erzähle, dass ich selbst eine Woche zuvor den gleichen Fehler gemacht habe und alle meine Telefonnummern verloren habe. – Also bist du auch ungeschickt?, sagt Per mit einer gewissen Freude in der Stimme. – Nein Per, ich bin geschickt, habe aber manchmal Pech... Dann er zähle ich Per, was er machen soll. Er strahlt!
-Ist das wahr?, wie hast du das hingekriegt? Ich erzähle, wie er vorgehen soll und jetzt kann Gessle sein Telefon wieder anwenden.
Warum der Titel „EHM“?
-Ich saß letzten Sommer auf dem Balkon in Halmstad und hatte keine Visionen darüber, Lieder zu schreiben, aber plötzlich bekam ich eine Menge Ideen, die zu Liedern wurden. Also fing ich an zu schreiben und als ich alle Lieder sammelte, wurde daraus ein neues Projekt. Den Titel „EHM“ meinte ich anwenden zu können, weil ich so ein ungeschickter Mann bin.
Du bist selbst Weltstar und weit bekannt , hast du dich selbst mal idiotisch gefühlt, als du eine berühmte Person getroffen hast?
-ein Idol sollte nie seine Idole treffen, weil man immer enttäuscht wird, aber ich habe es nie darauf angelegt.
Ich kann mich dagegen an ein herrliches Treffen erinnern als wir mit Roxette in Holland waren. Wir machten TV-Interviews in einem Schloss und jemand sah uns und schrie „I love your records“. Es war Tom Petty. Hilfe, dachte ich und schrie zurück „I love your records, too.“ Ich wohnte zu Hause bei John Sebastian von Lovin Spoonful „Summer in the city“, das war nett. U2, Alice Cooper und viele mehr habe ich treffen dürfen und sie sind alle persönliche und professionelle Menschen. Wann hattest du das letzte Mal einen Vorteil dadurch, dass du berühmt bist? (Lange Stille)
-Ich weiß nicht genau. Ich bin mein gesamtes erwachsenes Leben berühmt gewesen. Ich bemerke keine unterschied, ob die Leute mich anders behandeln. Aber wenn ich aus bin und zu Abend esse mit fünf Freunden können Leute kommen und stören. Ich finde das lästig, denn dann geht es so sehr um mich. Wenn ich mit meinen Freunden ausgehe, bin ich nur ich in meiner Gruppe.
Worüber in deiner Karriere bist du bis jetzt am meisten stolz?
-Das ist eine sehr gute Frage... aber platten zu machen uns so kreativ sein zu können. Ich bin sehr zufrieden. Wenn ich wählen müsste, dann ist es 1988-95 mit Roxette. Von der Jay Leno-TV-Show bis zu den Auftritten in China. Vier Nr.1-Hits in den USA wärmen auch.
Etwas, was du bedauerst?
-Dass Roxette durch die USA gereist sind und Playback gespielt haben. Playback zu spielen, wie es das jetzige American Idol-Mitglied Paula Abdul machte, war pathetisch. Wir waren ja eine Liveband!
Warum hast du keinen Kontakt mit deinen Kumpels aus Gyllene Tider? Seid ihr Feinde?
-Wir sind eine Band und nicht alle haben privat Kontakt, das ist ganz natürlich.
Ich traf Micke Syd letztes Jahr bei einem Fußballspiel.
Welches Gefühl überfällt dich, wenn du über dein Leben nachdenkst?
-Ich bin wohl wie jeder andere und ich versuche einen guten Geschmack im Mund zu haben, wenn ich zurückdenke. Versuche eine vernünftige Person zu sein. Familie und Kind bedeuten alles. Ich bin unglaublich dankbar für das, was ich erleben durfte und zufrieden mit dem, was ich erreicht habe.
Einige Krisen hast du wohl gehabt? Gefühlt wie „nee, jetzt höre ich auf“?
-1984-85 als Gyllene Tider sich auflösten... Da war es schwer und belastend. Aber Marie kam wie gerufen und wir starteten Roxette. Wenn du etwas suchst, passiert nichts. Ich bin nicht so dafür zu planen. Die Dinge kommen wie sie kommen. Vertraue meinem Bauchgefühl!
Bauchgefühl? ... Bevor dein Sohn Gabriel geboren wurde, sagtest du, dass du Maschendraht vor deine Plattensammlung spannen würdest. Hast du das gemacht?
(Lautes Lachen)
-Nein...unreife Werte verschwinden durch das Fenster. Die Plattensammlung bedeutet nicht mehr genauso viel, wenn man endlich Kinder bekommen hat.
Wie bist du als Vater?
-Zaghaft, aber nett. Meine Frau Åsa ist sehr viel strenger. Als Kind bekam ich immer eine Menge Geschenke und Süßigkeiten von meinem Vater, also sitzt das drin und ich verwöhne Gabriel. Ich bin jedoch ordentlich. Gabriel mag auch Ordnung, ja, die ganze Familie ist ordentlich. Ich hasse es, wenn überall Dinge herumliegen. Ich und meine Frau putzen genauso viel. Wir putzen ständig. (Lachen)
Was wirst du deinem Sohn Gabriel, 10 Jahre, erklären, wenn er sich den Bauchnabel piercen will? Du selbst hast in den 80er Jahren das Haar blondiert und Kajastifte benutzt?
-Das ist ein schrecklicher Gedanke, aber ich fürchte, dass er auch da gewinnen dürfen wird. Er muss ja seiner Linie folgen dürfen.
Was denkt dein Sohn über den Künstler Gessle?
-Er mag gewisse Dinge, die ich gemacht habe, findet aber, dass ich ein bisschen zaghaft bin... (Inniges Lachen). Black Sabbath mag er. Er ist ein bisschen rowdyhafter, aber er und einige Freunde werden auf der Sommertour dabei sein. Da wird er schon sehen, dass ich nicht so zaghaft bin.
Bist du eine sentimentale Person?
-Ich bin sentimental.
Weinst du wegen schlechten Rezensionen in Zeitungen?
(Lachen)
-Eine Voraussetzung, wenn man hiermit arbeitet, ist, dass man sowohl Lob als auch Kritik vertragen kann. Dass man eine feste Linie hat, sonst wird man verrückt, Ich kann nicht nur ein Lied schreiben, damit DU es magst. Ich schreibe es, weil ICH es mag.
Was macht dich wütend?
-Es hat mich unglaublich irritiert und verrückt gemacht, als das TV-Team unseren Staatsminister Fredrik Reinfeldt mit Wasser bespritzt hat. Ich war auf dem gleichen Fest. Es ist so schlechte Qualität in der Unterhaltung. Als ich aufgewachsen bin, lernte ich, dass man nie Witze auf Kosten anderer machen sollte.
Was ist dann lustig?
(Lachen)
-Kaufte neulich die DVD-Box des 70er Jahre –Krimis Columbo. Er ist gut. „Little Miss Sunshine“ ist sonst ein guter Film. Ich schaue viele Filme. Gerne ein bisschen europäischer Touch und ein bisschen Wirklichkeit.
Was ist Sommer für dich?
-Sommer ist für mich Halmstad und Tylösand. Da ist es, wo wir sind. Es ist magisch fein. Wir wohnen ja da unten, wenn wir nicht in unserer Wohnung in Stockholm sind.
Diesen Sommer kommst du nach Växjö. Was ist das Erste, woran du denkst, wenn ich Växjö sage?
-Osten... Fußball... ist das Erste, woran ich denke. Ich bin normal fußballinteressiert und bin natürlich für Halmstad BK, aber mag auch Handball und natürlich Kunst.
Wir von ACTTIVE wünschen Glück für die Sommertournee, die dich am 4. August nach Växjö führt.
Vielen Dank. Ich wünsche allen Lesern einen schönen Sommer.
Viel Spaß beim Lesen!
